"Ups, ich bin wütend" - Interview mit Christopher End
Lieber Christoph, du hast das Buch „Ups, ich bin wütend“ geschrieben. Warum liegt dir dieses Thema besonders am Herzen?
Weil Wut das Gefühl ist, bei dem die meisten Eltern beginnen, an sich zu zweifeln.
Ich begleite Eltern seit vielen Jahren rund um die Wut ihres Kindes. Und mir fällt auf: Bei anderen Gefühlen gelingt es vielen bereits erstaunlich gut, für ihr Kind da zu sein. Bei Angst Sicherheit zu geben. Bei Traurigkeit Trost. Aber Wut ist anders.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Erstens richtet sich Wut oft gegen uns. Wir sind die, die Nein sagen – zum dritten Eis oder zur fünften Folge Paw Patrol. Und wenn uns dann ein wütendes „Ich hasse dich!“ entgegenschlägt, fühlt sich das schnell persönlich an.
Zweitens steckt das Kind in einem Dilemma. Es braucht unsere Nähe zur Koregulation – und gleichzeitig sind wir es, die gerade seine Autonomie begrenzt haben. Deshalb lassen sich viele Kinder in der Wut nicht einfach in den Arm nehmen. Sie sind wütend auf uns – und brauchen uns gleichzeitig.
Und drittens: Die meisten von uns haben nie gelernt, wie Wutbegleitung wirklich geht. In der autoritären Erziehung galt Wut als Trotz, als Fehlverhalten. Dieses alte Bild wirkt oft noch in uns nach. Und ein inneres Vorbild dafür, wie man Wut ruhig und klar begleitet, fehlt vielen.
Genau deshalb liegt mir dieses Thema so am Herzen.

